Montag, 15. Oktober 2018

Der Morgen danach

Auch wenn sie verloren haben, lächeln sie heute Morgen noch tapfer von den Plakaten: die Politiker.

Dienstag, 9. Oktober 2018

Sänger

Quer durch die Bahnhofshalle laufen mit rhythmischen Schritten zwei Teenager. Beide singen miteinander ihren Lieblingsrap, ohne Unterstützung von Stöpseln in den Ohren. Sie sind gut drauf, und es ist ihnen keine Spur peinlich, dass sie Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Ob sich ihre Musiklehrerin genauso über sie freuen würde wie ich?

Montag, 8. Oktober 2018

Hochzeit 2.0

Vor der malerischen Kulisse des Schlosses Hallwyl steht ein frisch getrautes Hochzeitspärchen im Grünen und schaut glücklich in den Himmel.
Über ihnen kreist die Drohne des Fotografen und bestimmt die Richtung ihrer Blicke.

Sonntag, 7. Oktober 2018

Begegnung mit Rosina

Auf dem Spazierweg vom Hallwiler See zurück zum Schloß spricht mich eine ältere kleine Frau an, der ich beim Entgegenkommen zugenickt hatte. Sie erzählt mir auf Italienisch, sie heiße Rosina und sei zu Besuch bei ihrem einen Sohn, der andere lebe in Milano. Dort würden sie auf dem Rückweg noch vorbeifahren. Sie lebe bei ihrer Tochter in Genova, die sich gut um sie kümmern würde. Wie alt sie wohl sei? Ich tippe auf um die siebzig, da lacht sie erfreut und zeigt 88 mit den Fingern. Sie fragt mich nach meinen Kindern und den Gehstöcken, aber leider reichen meine Italienischkenntnisse nur zum Verstehen. Trotzdem ist sie so gerührt, dass Sie mich bittet, ob sie mir einen Abschiedskuss geben darf. Sie zieht meinen Kopf zu sich hinunter und drückt mir zwei feste italienische Mammaküsse auf die Backen.

Samstag, 6. Oktober 2018

Straßenmusikantinnen

Neben dem Rathaus in Würzburg gruppieren sich plötzlich sechs junge Studentinnen, stellen einen umgekehrten Melonenhut vor sich und beginnen dreistimmige Lieder zu singen. Die Passanten haben an diesem sonnigen Herbstsamstag genug Muße und hören ein paar Minuten zu, die meisten lassen auch eine Münze in den Hut fallen.

Freitag, 5. Oktober 2018

Herbstbeginn

Während wir in der Pizzeria essen, können wir aus dem Fenster beobachten, wie eine Angestellte die Sommerbepflanzung aus den Kästen der Terrasse ausgräbt und Stück für Stück im Auto verstaut. Vielleicht möchte sie die Stauden in einem kühlen Keller überwintern lassen.

Donnerstag, 4. Oktober 2018

Kontraste

Auf dem Frankfurter Flughafen warte ich auf die Anzeige des Gates, um durch die passende Sicherheitskontrolle zu gehen. Gegenüber der Shop von Victoria's Secrets mit Luxusunterwäsche und Beauty-Artikeln, die einige wohlhabende Damen begutachten. Neben mir ein Abfalleimer, der in der kurzen Zeit von einem halben Dutzend Flaschensammlern untersucht wird.

Dienstag, 2. Oktober 2018

Dombesucher

In den Dom von Riga zieht eine kleine Prozession ein: vorneweg eine Erzieherin, die ein Seil hält, hinter ihr acht sehr junge Kinder, noch nicht sehr sicher auf ihren Beinchen. Sie halten sich brav an den ins Seil geknüpften Halteschlaufen fest. Eine andere Kindergärtnerin folgt mit dem Ende des Seils. Im Kreuzgang angekommen, dürfen sie loslassen und spielen mit den Steinchen dort und betrachten voller Freude die Blumen, zwei halten sich an Bällen fest.

Sonntag, 30. September 2018

Wo liegt Riga?

Aus jeder Bar dringt mehr oder weniger laute Musik, während man durch die die Kungu iela läuft. Gleichzeitig hört man "My heart ist in Havanna" und Smetanas "Moldau", so dass ich kurz überlegen muss: wo bin ich gerade?

Samstag, 11. August 2018

fehlende Zähne

Am Strand von Pedra do Sal wird es langsam Abend. Trotzdem sind noch viele im Wasser und springen über die Wellen. Etwas abseits sitzt auf den Felsen eine stolze Großmutter mit ihrer zehnmonatigen Enkelin und schaut dem Treiben auf dem Strand zu. Da nähert sich den beiden der Großvater, und das kleine Mädchen beginnt zu zappeln und zu strahlen, genau wie ihr Opa. Und genau wie er hat sie nur ganz wenige Zähne im Mund.

Freitag, 10. August 2018

Feinschmecker

Im Hafen von Camariñas komme ich mit einem passionierten aber erfolglosen Fischer ins Gespräch, weil ich wissen möchte, wie die großen Fische im Hafenbecken heißen. Er berichtet mir, dass die Einheimischen sie "mújeles" nennen. Leider scheinen sie richtige Feinschmecker zu sein, denn alle Köder, die er ihnen schon vor die Nasen hängte, verschmähten sie. In drei Jahren hat er nur zwei Fische gefangen. Immerhin hat aber eine geduldige Frau bei ihm "angebissen", die sein Hobby mit trägt.

Donnerstag, 9. August 2018

Man spricht Deutsch

Am Ende unseres Reisetags kehren wir in die Pizzeria von Vimianzo ein, die so etwas wie der örtliche Treffpunkt zu sein scheint. Eine sehr lebhafte junge Kellnerin bedient uns und kramt höflich die Reste ihres Schuldeutschs hervor, viel mehr als "Guten Abend" und "bitte" und "danke" weiß sie nicht mehr. Sie erklärt (auf Spanisch), der Unterricht sei leider nicht so praktisch ausgerichtet gewesen. Was fehlt, macht sie mit ihrer Ausstrahlung, Energie und ihren Gesten aber zweimal wett.