Montag, 29. Oktober 2018
Beinahe fliegende Teppiche
Im Möbelgeschäft verbindet eine lange gewundene Rutsche aus schönem Holz das Erdgeschoß und die erste Etage. Oben liegt ein kleiner Stapel Flickenteppiche, auf die die Kinder sich setzen sollen, wenn sie rutschen. Jedes breitet also mehr oder weniger sorgfältig seinen Teppich aus, setzt oder wirft sich darauf und saust hinunter. Mit ein wenig mehr Tempo könnten sie vielleicht abheben und durch die Lüfte fliegen. So aber schleifen sie ihren Teppich hinter sich her wieder nach oben für den nächsten Start.
Samstag, 20. Oktober 2018
Fliegen
Ein leichter Stupser mit beiden Füßen gleichzeitig, während ich alle Willenskraft zusammen nehme, und schon hebe ich ab und fliege. Unter mir gleiten die Dächer der Häuser und Schuppen einer kleinen Stadt vorbei, bis der Garten in Sicht kommt, in dem der Wohnwagen steht. Noch eine Runde im Sinkflug, und ich lande sanft auf der morgenfeuchten Wiese. Aus dem Wohnwagen hole ich Tisch und Stühle fürs Frühstück und wundere mich erst nach dem Aufwachen über meine Fähigkeiten.
Montag, 15. Oktober 2018
Der Morgen danach
Auch wenn sie verloren haben, lächeln sie heute Morgen noch tapfer von den Plakaten: die Politiker.
Dienstag, 9. Oktober 2018
Sänger
Quer durch die Bahnhofshalle laufen mit rhythmischen Schritten zwei Teenager. Beide singen miteinander ihren Lieblingsrap, ohne Unterstützung von Stöpseln in den Ohren. Sie sind gut drauf, und es ist ihnen keine Spur peinlich, dass sie Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Ob sich ihre Musiklehrerin genauso über sie freuen würde wie ich?
Hochzeit 2.0
Vor der malerischen Kulisse des Schlosses Hallwyl steht ein frisch getrautes Hochzeitspärchen im Grünen und schaut glücklich in den Himmel.
Über ihnen kreist die Drohne des Fotografen und bestimmt die Richtung ihrer Blicke.
Über ihnen kreist die Drohne des Fotografen und bestimmt die Richtung ihrer Blicke.
Sonntag, 7. Oktober 2018
Begegnung mit Rosina
Auf dem Spazierweg vom Hallwiler See zurück zum Schloß spricht mich eine ältere kleine Frau an, der ich beim Entgegenkommen zugenickt hatte. Sie erzählt mir auf Italienisch, sie heiße Rosina und sei zu Besuch bei ihrem einen Sohn, der andere lebe in Milano. Dort würden sie auf dem Rückweg noch vorbeifahren. Sie lebe bei ihrer Tochter in Genova, die sich gut um sie kümmern würde. Wie alt sie wohl sei? Ich tippe auf um die siebzig, da lacht sie erfreut und zeigt 88 mit den Fingern. Sie fragt mich nach meinen Kindern und den Gehstöcken, aber leider reichen meine Italienischkenntnisse nur zum Verstehen. Trotzdem ist sie so gerührt, dass sie mich bittet, ob sie mir einen Abschiedskuss geben darf. Sie zieht meinen Kopf zu sich hinunter und drückt mir zwei feste italienische Mammaküsse auf die Backen.
Samstag, 6. Oktober 2018
Straßenmusikantinnen
Neben dem Rathaus in Würzburg gruppieren sich plötzlich sechs junge Studentinnen, stellen einen umgekehrten Melonenhut vor sich und beginnen dreistimmige Lieder zu singen. Die Passanten haben an diesem sonnigen Herbstsamstag genug Muße und hören ein paar Minuten zu, die meisten lassen auch eine Münze in den Hut fallen.
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